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Alberto Levya und Juan Megias Muñoz

Dorfblick mit geröstetem Tomatenbrot

Zwei Madrilenen über ihre Karriere als Skirennprofis, ihren Weg in die Schweiz und das alljährliche Stelldichein der Ski-Elite im sommerlichen Saas-Fee.


Informationen

Saastal Tourismus AG
Obere Dorfstrasse 2
CH-3906 Saas-Fee

Tel. +41 27 958 18 58

E-Mail info@saas-fee.ch


Dicke, schwarze Dreadlocks fluten unter seiner hellblauen Mütze hervor, er trägt ausgewaschene Jeans und einen grauen Pullover. Mit einem Bier in der Hand steht Alberto Levya (25) am Fenster und blickt in die Dunkelheit hinaus, Windböen pfeifen um die Hausecken. Es ist ein kühler Sommerabend in Saas-Fee, die Saison hat begonnen. Die Küche im Haus Dorfblick ist von warmem Licht und dem Duft heissen Öls erfüllt. Juan Megias Muñoz (27) steht neben dem Herd und packt Jamón, spanischen Schinken, aus. Seine langen Haare trägt er im Dutt, dazu blaue Jeans und ein gemustertes Flanellhemd. Auf dem Herd stehen eine grosse Bratpfanne und ein riesiger Suppentopf, in dem es bereits vor sich hin köchelt. Auf dem Menü heute Abend stehen Tortilla und Sopa Castellana, dazu geröstetes Tomatenbrot. Alberto nimmt noch einen Schluck Bier und setzt sich an den Küchentisch, wo ein Kartoffelberg darauf wartet, geschält zu werden.

Alles begann in Madrid
Die beiden Madrilenen sind Skilehrer bei der Skischule Ski Zenit in Saas-Fee. Juan Megias Muñoz ist als Lehrer in der vierten Saison im Gletscherdorf. Alberto Levya in der dritten Saison. Mit Skifahren haben sie in Spanien begonnen, Alberto mit zwei, Juan mit vier Jahren. «Es gibt drei grosse Skiregionen bei Madrid. Wir haben wunderschöne Berge direkt an der Stadtgrenze», erzählt Juan und wirft Knoblauch und Jamón ins heisse Öl. Albertos Mutter ist Schweizerin und hat ihren Jungen auf die Skier gestellt, sobald er gehen konnte. Juans Onkel Jaime war ein eingefleischter  Skifahrer und hat ihn stets mit auf die Piste genommen. Während  die beiden erzählen, breitet sich der Duft von gedünstetem Knoblauch in der Küche aus.

David Prades, ebenfalls Madrilene und Chef-Skilehrer bei Ski Zenit, hat die beiden als Kinder entdeckt. Alberto in einem französischen Skiresort, Juan in einem spanischen Skicamp. Er hat sofort gesehen, dass die beiden ausserordentliches Talent besitzen. Er nahm sie unter seine Fittiche und bildete sie zu Skirennfahrern aus. «Ich war mit 12, 14, 15 und 16 spanischer Champion», berichtet Alberto, der mit beeindruckender Geschwindigkeit seine Kartoffeln geschält hat. «Er war unglaublich gut. Ich war gut, aber nicht auf seinem Niveau», wirft Juan ein. Er schneidet auf einem grossen Holzbrett Brot in dicke Scheiben und schaut zu Alberto, der nun beginnt, die Kartoffeln zu schneiden. «Die werden zu dick, Alberto! Mach sie dünner!», weist er an.

Von Profis zu Lehrern
Die beiden haben sich im Alter von fünf und sieben Jahren in einem Trainingscamp kennengelernt, haben gemeinsam bis ins Teenageralter trainiert und sind professionell Rennen gefahren. «Als ich 18 war und Alberto 16, haben sich unsere Wege für eine Weile getrennt. Ich war von über zehn Jahren Skirennfahren echt ausgebrannt. Ich wollte nichts mehr davon wissen und habe mit einem Sportpsychologie-Studium angefangen», berichtet Juan. Die Brotscheiben hat er hälftig in den Suppentopf geworfen, hälftig zum Rösten in den Ofen geschoben. Nun halbiert er Tomaten. «Nach ein paar Jahren Pause habe ich aber neben dem Studium wieder als Skilehrer gearbeitet. Vor fünf Jahren habe ich dann beim Skiclub Noroeste in Madrid angefangen», sagt er, legt das Messer weg und dreht sich zu Alberto um. «Ich tauche dort zum ersten Meeting auf, und der da sitzt am Tisch.» Er packt eine Schüssel geschälter Zwiebeln und geht zum Tisch. «Vier Jahre haben wir uns nicht gesehen und landen wieder im gleichen Skiclub!», lacht er und stellt die Schüssel vor Alberto. «Wie die Kartoffeln, nicht zu dick!», schärft er ein. Juan geht zurück zum Herd und schüttet das gebratene Schinken-Knoblauch-Gemisch in den Suppentopf. Dann leert er einen ganzen Liter Olivenöl in die nun leere Bratpfanne, lehnt sich lässig an die Küchenzeile und verschränkt die Arme.

«Als ich mir das Bein gebrochen habe, war meine Profikarriere beendet. Ich wollte weiter Ski fahren und habe darum die Ausbildung zum Skilehrer gemacht», fasst Alberto seinen Weg zum Coach zusammen. «Nach meinem Abschluss habe ich das Angebot erhalten, bei Noroeste zu arbeiten, und habe angenommen.» Er hat sich mittlerweile eine übergrosse silberne Skibrille geholt und zieht sie über seine hellblaue Mütze auf die Augen. Er erinnert an einen futuristischen Schlumpf, während er seine Zwiebeln fertig schneidet und weitererzählt.

Über die Weltcup-Typen auf der Piste nebenan
Zum ersten Mal war er 2005 im Trainingscamp in Saas-Fee. «In meinen Profijahren war ich oft hier im Training», berichtet Alberto. «Ich habe mich sofort in Saas-Fee verliebt, in die Pisten und das Dorf», erinnert er sich und bringt Juan sein geschnittenes Zwiebelwerk an den Herd. Dieser hat eben sechs Eier aufgeschlagen und in einer Schüssel verquirlt. «Als ich das erste Mal diese Gipfel gesehen habe, war ich wie vom Blitz getroffen! Ich war auch jahrelang im Sommer und Herbst zum Trainieren hier. Das erste Mal 2007, glaube ich», mutmasst Juan und wirft die Zwiebeln mit den Kartoffeln in die Bratpfanne. «Weisst du, die Berge in Spanien sind nicht gerade der Wahnsinn. Als wir hier angekommen sind und die Mischabelkette gesehen haben und den Gletscher, das war schon ziemlich verrückt!», lacht Alberto, seine Skibrille hat er mittlerweile auf die Mütze gestülpt. Er öffnet sich und Juan ein neues Bier und stellt sich neben ihn. «Und das Training erst! Weisst du noch, Alberto? Als wir klein waren und die Worldcup-Typen neben uns auf den Pisten trainiert haben? Für uns war das unglaublich!» Juan boxt seinen Freund mit dem Ellbogen leicht in die Rippen. Alberto grinst: «Ja, das war der Knaller. Jetzt sind wir das gewohnt, weil sich hier jeden Sommer die weltbesten Skifahrer tummeln. Aber anfangs konnten wir es gar nicht fassen.» Die beiden schweigen eine Weile, offenbar in Erinnerungen versunken. Hinter ihnen brutzelt die Tortilla, die Suppe köchelt. Juan gibt schliesslich die Eier mit einem eleganten Schwung in die Bratpfanne, nimmt die Brotscheiben aus dem Ofen, und beide gehen an den Tisch.

Der Weg zu Ski Zenit in Saas-Fee
«Als uns David Prades angefragt hat, ob wir hier als Skilehrer arbeiten wollen, mussten wir beide nicht lange überlegen», erzählt Juan weiter. Er träufelt Olivenöl auf die gerösteten Brotscheiben, Alberto reibt sie mit Knoblauchzehen ab. «Ich wollte unbedingt hier sein, wo Profis aus der ganzen Welt herkommen und auf dem Gletscher trainieren. Du kannst hier beobachten, wie sie arbeiten, hautnah. Wir haben schon auch Profis in Spanien, aber es ist nie so wie in Saas-Fee. Die Atmosphäre hier ist einmalig», schildert Juan und geht zum Herd. Es ist Zeit, die Tortilla zu wenden. Er nimmt einen grossen Teller, stürzt den Pfanneninhalt darauf und lässt ihn geschickt zurück in die Pfanne gleiten. Alberto gratuliert zum gelungenen Manöver und beginnt, die Brotschreiben mit frischen Tomaten einzureiben, Juan setzt sich wieder neben ihn mit seinem Bier.

«Saas-Fee ist ein internationaler Ort, man trifft hier Leute aus der ganzen Welt. Wir hatten zum Beispiel diesen Japaner bei Zenit – der ist noch nie auf den Skiern gestanden. Er kam hierher und hat uns für zwei Wochen als Lehrer gebucht. Er sprach null Englisch!», erzählt Juan und nimmt einen Schluck Bier. Alberto nickt: «Wir waren zwei Wochen mit ihm unterwegs, er sprach kein Wort Englisch – ich habe mich mit Händen und Füssen ausdrücken müssen. Dann waren noch russische Schüler dabei, die auch kein Wort verstanden haben. Man kommt schon an seine Grenzen und muss erwachsen werden. Als Mensch und Coach», berichtet Alberto weiter und räumt die Messer, Schüsseln und Schneidebretter weg, Juan türmt die gerösteten Tomatenbrote auf einen Teller.

«Ich liebe es, hier zu leben. Aber mir fehlt das Wetter in Spanien. Und der Strand», meint Alberto. Juan ist inzwischen beim Herd und hat die Pfanne vom Feuer genommen. «Ja – das Wetter fehlt mir auch. Und das Essen», fügt er grinsend an. Alberto deckt den Tisch und stellt die golden-gelb gebratene Tortilla auf den Tisch, Juan zwei Teller mit dampfender Suppe. Beide schneiden sie ein grosses Stück Tortilla ab, nehmen sich von den gerösteten Tomatenbroten und tauchen ihre Löffel in die Suppe. Heute Abend zumindest vermissen sie ihre Heimat etwas weniger.