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Vom Himmel an den Rücken
Ausgediente Gleitschirme müssen jetzt nicht mehr weggeworfen werden. In Saas-Fee machen zwei Outdoorfans daraus hochwertige Tourenrucksäcke. Und schaffen so im vom Tourismus geprägten Ort begehrte Zwischensaison-Jobs. www.berghilfe.ch

Warum eigentlich, gibt es nicht schon genug nachhaltige Outdoor-Marken?
Diese Frage findet man auf der Homepage von Schwarzberg. Die Antwort dazu:

Bestimmt ist dir bekannt, dass die Textilindustrie einer der Umwelt-schädlichsten ist. Viele Marken verwenden zwar nachhaltige oder recycelte Materialien für ihre Produktion. Aber auch Recyclingprozesse und vor allem Transportwege verbrauchen Energie und Ressourcen. Schwarzberg verwendet Material, das einmal hergestellt wurde, aber nicht mehr für den ursprünglichen Zweck verwendet werden kann. Dadurch verlängern wir die Lebensdauer des Gewebes und vermindern Abfall. Reduziert wird auch die Notwendigkeit, neues Material herzustellen.

Genau diese grossartige Idee, Tourenrucksäcke aus Gleitschirmen herzustellen, finden wir genial und verdient Aufmerksamkeit. Auch deshalb habe ich nicht lange gezögert, als ich gefragt wurde, diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Aber wie kommt man auf solch eine Idee und wie setzt man sie um? Die Idee zu den Tourenrucksäcken entstand mehr oder weniger durch einen Zufall. Janine, die es aus Liebe zu den Bergen nach Saas-Fee gezogen hat, lernte Ivan kennen, und gemeinsam haben sie diese Idee entwickelt. Ivan, begeisterter Skilehrer und Kitesurfer, hatte schon des längeren die Idee, Rucksäcke aus dem Material seiner Schirme zu machen, das Material wäre seiner Meinung nach perfekt dafür geeignet, nur fehlten ihm die nötigen Skills, um den Rucksack selbst herzustellen. Janine, gelernte Textildesignerin und erfahrene Produktentwicklerin, sah direkt ein grosses Potenzial in dieser Idee und somit stellte sie den ersten Tourenrucksack aus einem Gleitschirm zusammen. Nach Rückmeldung von Ivan folgten auf die erste «Testversion» direkt 3 weitere Prototypen. Dass es nicht bei den 4 Prototypen bleibt, war den beiden schnell nach einem ausgiebigen Testen im Winter klar und Janine begann in ihrer privaten Wohnung mit der ersten Serie der Tourenrucksäcke. An der Produktionsart wurde nichts geändert, das Produkt sollte weiterhin umweltfreundlich und nachhaltig produziert werden und den Gleitschirmen sollte ein zweites Leben eingehaucht werden.

Mit dem Saastal haben die beiden auch den perfekten Ort, um aus ihrer Idee ein Business zu machen, im Saastal wird Nachhaltigkeit nämlich grossgeschrieben. Und so zögerten die beiden nicht lange und machten sich an die erste grössere Produktion. Durch die Connection in der Kite-Szene von Ivan und Janines Umfeld von Gleitschirmfliegern hatten die beiden schnell genug neues Material, um die erste Serienproduktion zu starten und diese über die eigene erstellte Webseite zu verkaufen. Was die Organisation der Findung alter Gleitschirme angeht, so wurden beide schnell überrascht, wie viel Leute solche nicht mehr brauchbaren Schirme herumliegen haben, es war am Ende so viel, dass die beiden für den Moment die Zulieferung stoppen mussten.

Die Kunden schätzen an dem Produkt vor allem, dass das Produkt nachhaltig ist, dazu kommt, dass durch das Material die Rucksäcke sehr leicht sind und trotzdem eine Menge aushalten. Das konnten Janine und Ivan auch selbst über das letzte Jahr testen, so nutzten Sie die Modelle bei Ski- und Snowboardtouren, Klettertouren wie z.B. die Klettertour aufs Weissmies, welche ihr in unserem letzten Blogbeitrag nachlesen könnt. Wer einen Rucksack von Schwarzberg kauft, kann davon ausgehen, dass sein erworbenes Modell nicht so ein zweites Mal gibt. Leute aus der Bergszene wissen, wie es mit dem Klimawandel steht und welche Auswirkungen dieser auf die Natur hat, deshalb sind die Kunden froh ein solches Upcycling Produkt zu unterstützen.

Eines ist klar, Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, deshalb macht so eine Produktion schon grundsätzlich Sinn. Aber wie setzt man sich gegen grosse Konzerne durch? Es geht nicht unbedingt, sich gegen die grossen Konzerne durchzusetzen, beantwortet Janine, sondern vielmehr eine nachhaltigere Alternative zu bieten für die, die etwas Aussergewöhnliches suchen und damit auch etwas Gutes für unseren Planeten tun. Dank ständiger Feedbacks der Kunden können die beiden ständig an neuen Ideen arbeiten, so entstanden auch die Nebenprodukte wie eine Gürteltasche oder eine kleine «Materialtasche».

Am Rucksack selbst wird auch ständig weiter getüftelt, um dem Kunden das Beste zu bieten. So haben die neusten Model Hagen, an dem man am Inneren eine Trinkblase befestigen kann (dieses ‹Add-On› kann auf Kundenwunsch zusätzlich umgesetzt werden) und im unteren Bereich des Rucksacks befindet sich ein stärkeres Material, um den Rucksack von den Spitzen einer Tourenschaufel zu schützen. Sollte doch mal etwas kaputtgehen, dann braucht man sich keine Sorgen zu machen. Ziel des Produkts ist es, komplett nachhaltig zu sein, sodass man die Rucksäcke bei dem kleinsten Schaden nicht direkt in die Tonne wirft, sondern die Rucksäcke an Schwarzberg zurückschickt. Janine und Ivan nehmen die Rucksäcke gerne wieder entgegen, um den Schaden zu beheben. Mittlerweile haben die beiden auch ihren eigenen kleinen Arbeitsbereich in einer Wohnung in Saas-Grund. In zwei Räumen kann geschnitten, genäht und fotografiert werden.

Für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens sind sie noch auf der Suche nach weiteren Mitarbeitenden im Bereich Produktion, um der Nachfrage der Kunden nachzukommen. Auf jeden Fall können Janine und Ivan schon auf viele Erfolge zurückblicken und werden weiter für die Nachhaltigkeit und unseren Planeten auf diesem Erfolg aufbauen.