{"id":3472,"date":"2020-10-12T17:05:07","date_gmt":"2020-10-12T15:05:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/?p=3472"},"modified":"2023-10-22T14:22:15","modified_gmt":"2023-10-22T12:22:15","slug":"sterben-keine-option","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/2020\/10\/sterben-keine-option\/","title":{"rendered":"Sterben keine Option!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Am 21. Dezember 2018 erh\u00e4lt der kanadische Snowboarder Max Parrot die Krebsdiagnose. Zwei Monate nach beendeter Chemotherapie f\u00e4hrt er an die X-Games und holt Gold. Die Geschichte eines K\u00e4mpfers.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geboren wurde Maxence Parrot mit leuchtend blauen Augen am 6. Juni 1994 in Bromont, im S\u00fcdwesten von Quebec, in Kanada. Bromont hat ein eigenes Skigebiet. Mit drei Jahren und vermutlich etwas Babyspeck steht Max auf den Skiern. Mit neun entdeckt er das Snowboarden. Als er seinen ersten internationalen Contest in Quebec gewinnt, ist er 16. 2014 vertritt er Kanada bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, und 2018 holt er in Pyeongchang Silber. An den X-Games gewinnt er insgesamt achtmal Gold und f\u00fcnfmal Silber. Quasi ein Hollywood-Drehbuch f\u00fcr die Verfilmung einer Nike-Saga. Aber den dramaturgischen H\u00f6hepunkt schreibt Max erst noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Im November 2018 findet Max einen kleinen Knoten in seinem Nacken und schenkt ihm zun\u00e4chst wenig Beachtung. \u00abEs war nichts Spezielles. In der Regel bedeutet so ein Knoten nur, dass ich ein paar Tage sp\u00e4ter krank werde\u00bb, erz\u00e4hlt Max unbeschwert. \u00abAber dieser Knoten blieb \u00fcber drei Wochen und nichts geschah. Ich habe mich nur gefragt, wo die Grippe bleibt\u00bb, lacht er weiter. Er geht zum Arzt, dieser macht eine Biopsie und drei Wochen sp\u00e4ter steht fest: Hodgkin-Lymphom. Lymphdr\u00fcsenkrebs.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abIn meinem Kopf wusste ich es\u00bb, meint er stoisch. Auch seine Familie reagiert beherrscht: \u00abAlle haben vor dem Test gesagt, dass es bestimmt nichts ist \u2013 um positiv zu bleiben. Wir waren uns aber alle im Klaren dar\u00fcber, dass ich wahrscheinlich Krebs habe\u00bb, schiebt Max nach. Herzrasen, Nervenzusammenbruch, Todesangst? Bleiben aus. Der Kanadier stellt sofort auf Kampfmodus und gibt sich keine Schw\u00e4che. Seine Chemotherapie beginnt unverz\u00fcglich; sechs Monate sind geplant.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00abIn dem Moment, in welchem ich die Diagnose erhalten habe, habe ich mich entschieden, den Krebs zu besiegen.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Die H\u00f6lle der Chemotherapie<\/strong><br>\u00abJede zweite Woche ging ich zur Behandlung. Der erste Tag nach der Behandlung ist der schlimmste, der zweite etwas besser. Eigentlich waren die ersten f\u00fcnf, sechs Tage immer hart. Ich war extrem m\u00fcde und konnte gerade mit M\u00fche einen kleinen Spaziergang mit meinem Hund machen. Nach sechs Tagen f\u00fchlte ich mich meist energievoller. Ich habe Sachen erledigt und bin ins Fitnessstudio gegangen\u00bb, erz\u00e4hlt Max. \u00abAber dann waren es wieder nur noch vier bis f\u00fcnf Tage bis zur n\u00e4chsten Behandlung\u00bb, er h\u00e4lt kurz inne. \u00abAusserdem: Je mehr Behandlungen man durchl\u00e4uft, desto schwieriger wird es. Zuerst sind nur die ersten Tage schlimm. Aber als ich zur neunten Behandlung kam, habe ich mich praktisch zwei Wochen lang schlecht gef\u00fchlt. Mein K\u00f6rper hatte keine Kraft mehr, sich zu erholen\u00bb, gibt er zu. Hatte er wirklich nie Angst zu sterben? Er z\u00f6gert kurz. Nicht aus Unsicherheit, eher scheint er abzusch\u00e4tzen, ob er sagen kann, was er denkt. \u00abIch hatte nie Angst, den Krebs nicht zu besiegen. Sterben war einfach keine Option f\u00fcr mich. Ich meine \u2026\u00bb Er runzelt die Stirn, w\u00e4hrend er nach den richtigen Worten sucht. \u00abVielleicht hatte ich irgendwo Bammel oder Furcht. Aber ich habe das den  Krebs nicht wissen lassen und es mir nicht eingestanden\u00bb, stockt er. \u00abEs ist schwer zu erkl\u00e4ren\u00bb, l\u00e4chelt er schliesslich unbeholfen. Max glaubt an positive Energie und daran, dass der Wille Berge versetzen kann. Vielleicht glaubt er auch, dass Angst oder negative Gedanken dem Krebs Macht gegeben h\u00e4tten. Jedenfalls liess er sich die Z\u00fcgel keinen Moment aus der Hand nehmen \u2013 gegen den Krebs zu verlieren, stand nicht auf dem Programm.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3479\" width=\"580\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-345x230.jpg 345w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-770x513.jpg 770w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-370x247.jpg 370w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-440x294.jpg 440w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-570x380.jpg 570w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Max-Parrot-JCM-2019-0001-170x113.jpg 170w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption>Nachdem er den Krebs besiegt hat, fliegt Max f\u00fcr sechs Tage nach Saas-Fee. Nach seinem Training hier holt er die Goldmedaille an den X-Games in Norwegen. Bild: Puzzle Media<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Lichtblick X-Games<\/strong><br>W\u00e4hrend seiner Chemo wird \u00fcberraschend verk\u00fcndet, dass im August die X-Games angesetzt werden. Max\u2019 Herz macht einen Sprung; keine zwei Monate nach seiner letzten Behandlung w\u00fcrden die Wettk\u00e4mpfe in Norwegen stattfinden. Es dauert in der Regel bis zu zwei Jahre, bis man sich von Krebs erholt hat. Max nimmt sich knappe acht Wochen. F\u00fcr ihn ist klar: Er will nicht nur teilnehmen \u2013 er wird gewinnen. Er macht es sich zum Ziel und feuert seinen Ehrgeiz auf Hochtouren. Jeden Tag steht er auf und macht etwas, egal was. Egal, wie schlecht es ihm geht \u2013 er zwingt sich aus dem Bett, k\u00e4mpft gegen die l\u00e4hmende M\u00fcdigkeit, die ihn \u00fcberw\u00e4ltigt und zu Boden dr\u00fccken will. K\u00e4mpft, auch wenn ihm nicht danach ist, wenn er nur  schlafen will und sein ganzer K\u00f6rper nach Ruhe schreit. Sobald es ihm etwas besser geht, geht er ins Fitnesscenter, ab und zu snowboarden,<br>mountainbiken. Nie \u00fcberl\u00e4sst er dem Krebs das Feld. Er k\u00e4mpft, jeden Tag \u2013 mental und k\u00f6rperlich. Fordert sich immer wieder hinaus, \u00fcberwindet die Grenzen, die der Krebs ihm setzt. Dann erh\u00e4lt er gr\u00fcnes Licht von den \u00c4rzten \u2013 der Krebs ist besiegt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-683x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3480\" srcset=\"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-683x1024.jpeg 683w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-200x300.jpeg 200w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-768x1152.jpeg 768w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-1024x1536.jpeg 1024w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-1365x2048.jpeg 1365w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-370x555.jpeg 370w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-440x660.jpeg 440w, https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/image1-scaled.jpeg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>2018 holt Max Parrot in Pyeongchang die Silbermedaille. Doch sein gr\u00f6sster Sieg erringt er ein Jahr sp\u00e4ter gegen den Krebs. Bild: Kevin Millet<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Airbag, Trampolin und Saas-Fee<\/strong><br>Zeit f\u00fcr grosse Feiern l\u00e4sst er sich aber nicht \u2013 er beginnt mit dem Aufbautraining. Er trainiert sechs Tage in der Woche, gnadenlos. Am Anfang war es ein reiner Kampf. \u00abIch wollte mich die ganze Zeit \u00fcbergeben\u00bb, berichtet er. Er gibt aber nicht auf, jeden Tag trainiert er stundenlang auf dem Trampolin und dem Airbag, daneben hartesCardio-Training. Sein Ziel: jeden Tag ins Bett gehen und sich sagen k\u00f6nnen, dass er nicht nur etwas getan hat. Sondern dass er sich heute verbessert hat. Es ist ein schier unm\u00f6gliches Projekt, in nur sieben Wochen wieder die Kraft und Ausdauer eines Profi-Sportlers zu erreichen. Aber Max treibt seinen geschw\u00e4chten K\u00f6rper mit der Macht seines eisernen Willens voran. F\u00fcr sechs Trainingstage im Schnee fliegt er nach Saas-Fee und trainiert im hiesigen Sommerpark, den Charles Beckinsale f\u00fcr The Stomping Grounds im Herbst vorbereitet hat. Danach fliegt Max weiter nach Norwegen. Und holt dort die Goldmedaille bei den X-Games.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einstellung ist alles<\/strong> <br>\u00abDie richtige Einstellung zu haben, ist enorm wichtig im Leben\u00bb, findet Max. \u00abIch bin eine K\u00e4mpfernatur, und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, mache ich keine Kompromisse. In dem Moment, in welchem ich die Diagnose erhalten habe, habe ich mich entschieden, den Krebs zu besiegen\u00bb, sagt er. \u00abNicht, dass ich immer stark oder immer positiv war. Ich hatte schlechte Tage, richtig schlechte Tage\u00bb, gesteht er. Diese Worte scheinen ihm schwerzufallen. \u00abAber ich habe nie aufgegeben und immer weitergemacht, egal wie hart es war, egal wie klein die Schritte waren. Ich habe immer wieder meine Grenzen herausgefordert, Tag f\u00fcr Tag, und mich nicht runterkriegen lassen. Diese Einstellung hat mir das Leben gerettet\u00bb, ist er sich sicher.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00abIch habe nie aufgegeben und immer weitergemacht, egal wie hart es war. Ich habe immer wieder meine Grenzen herausgefordert, Tag f\u00fcr Tag. Diese Einstellung hat mir das Leben gerettet.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21. Dezember 2018 erh\u00e4lt der kanadische Snowboarder Max Parrot die Krebsdiagnose. Zwei Monate nach beendeter Chemotherapie f\u00e4hrt er an die X-Games und holt Gold. Die Geschichte eines K\u00e4mpfers. Geboren wurde Maxence Parrot mit leuchtend blauen Augen am 6. Juni 1994 in Bromont, im S\u00fcdwesten von Quebec, in Kanada. Bromont hat ein eigenes Skigebiet. 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