{"id":2738,"date":"2019-08-21T15:33:57","date_gmt":"2019-08-21T13:33:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/?p=2738"},"modified":"2023-10-22T14:33:06","modified_gmt":"2023-10-22T12:33:06","slug":"alberto-levya-und-juan-megias-munoz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/2019\/08\/alberto-levya-und-juan-megias-munoz\/","title":{"rendered":"Alberto Levya und Juan Megias Mu\u00f1oz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alles begann in Madrid<\/strong><\/p>\n<p>Die beiden Madrilenen sind Skilehrer bei der Skischule Ski Zenit in Saas-Fee. Juan Megias Mu\u00f1oz ist als Lehrer in der vierten Saison im Gletscherdorf. Alberto Levya in der dritten Saison. Mit Skifahren haben sie in Spanien begonnen, Alberto mit zwei, Juan mit vier Jahren. \u00abEs gibt drei grosse Skiregionen bei Madrid. Wir haben wundersch\u00f6ne Berge direkt an der Stadtgrenze\u00bb, erz\u00e4hlt Juan und wirft Knoblauch und Jam\u00f3n ins heisse \u00d6l. Albertos Mutter ist Schweizerin und hat ihren Jungen auf die Skier gestellt, sobald er gehen konnte. Juans Onkel Jaime war ein eingefleischter Skifahrer und hat ihn stets mit auf die Piste genommen. W\u00e4hrend die beiden erz\u00e4hlen, breitet sich der Duft von ged\u00fcnstetem Knoblauch in der K\u00fcche aus.<\/p>\n<p>David Prades, ebenfalls Madrilene und Chef-Skilehrer bei Ski Zenit, hat die beiden als Kinder entdeckt. Alberto in einem franz\u00f6sischen Skiresort, Juan in einem spanischen Skicamp. Er hat sofort gesehen, dass die beiden ausserordentliches Talent besitzen. Er nahm sie unter seine Fittiche und bildete sie zu Skirennfahrern aus. \u00abIch war mit 12, 14, 15 und 16 spanischer Champion\u00bb, berichtet Alberto, der mit beeindruckender Geschwindigkeit seine Kartoffeln gesch\u00e4lt hat. \u00abEr war unglaublich gut. Ich war gut, aber nicht auf seinem Niveau\u00bb, wirft Juan ein. Er schneidet auf einem grossen Holzbrett Brot in dicke Scheiben und schaut zu Alberto, der nun beginnt, die Kartoffeln zu schneiden. \u00abDie werden zu dick, Alberto! Mach sie d\u00fcnner!\u00bb, weist er an.<\/p>\n<p><strong>Von Profis zu Lehrern<\/strong><\/p>\n<p>Die beiden haben sich im Alter von f\u00fcnf und sieben Jahren in einem Trainingscamp kennengelernt, haben gemeinsam bis ins Teenageralter trainiert und sind professionell Rennen gefahren. \u00abAls ich 18 war und Alberto 16, haben sich unsere Wege f\u00fcr eine Weile getrennt. Ich war von \u00fcber zehn Jahren Skirennfahren echt ausgebrannt. Ich wollte nichts mehr davon wissen und habe mit einem Sportpsychologie-Studium angefangen\u00bb, berichtet Juan. Die Brotscheiben hat er h\u00e4lftig in den Suppentopf geworfen, h\u00e4lftig zum R\u00f6sten in den Ofen geschoben. Nun halbiert er Tomaten. \u00abNach ein paar Jahren Pause habe ich aber neben dem Studium wieder als Skilehrer gearbeitet. Vor f\u00fcnf Jahren habe ich dann beim Skiclub Noroeste in Madrid angefangen \u00bb, sagt er, legt das Messer weg und dreht sich zu Alberto um. \u00abIch tauche dort zum ersten Meeting auf, und der da sitzt am Tisch.\u00bb Er packt eine Sch\u00fcssel gesch\u00e4lter Zwiebeln und geht zum Tisch. \u00abVier Jahre haben wir uns nicht gesehen und landen wieder im gleichen Skiclub!\u00bb, lacht er und stellt die Sch\u00fcssel vor Alberto. \u00abWie die Kartoffeln, nicht zu dick!\u00bb, sch\u00e4rft er ein. Juan geht zur\u00fcck zum Herd und sch\u00fcttet das gebratene Schinken-Knoblauch-Gemisch in den Suppentopf. Dann leert er einen ganzen Liter Oliven\u00f6l in die nun leere Bratpfanne, lehnt sich l\u00e4ssig an die K\u00fcchenzeile und verschr\u00e4nkt die Arme.<\/p>\n<p><em>\u00abAls ich das erste Mal diese Gipfel gesehen habe, war ich wie vom Blitz getroffen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>\u00abAls ich mir das Bein gebrochen habe, war meine Profikarriere beendet. Ich wollte weiter Ski fahren und habe darum die Ausbildung zum Skilehrer gemacht\u00bb, fasst Alberto seinen Weg zum Coach zusammen. \u00abNach meinem Abschluss habe ich das Angebot erhalten, bei Noroeste zu arbeiten, und habe angenommen.\u00bb Er hat sich mittlerweile eine \u00fcbergrosse silberne Skibrille geholt und zieht sie \u00fcber seine hellblaue M\u00fctze auf die Augen. Er erinnert an einen futuristischen Schlumpf, w\u00e4hrend er seine Zwiebeln fertig schneidet und weitererz\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Weltcup-Typen auf der Piste nebenan<\/strong><\/p>\n<p>Zum ersten Mal war er 2005 im Trainingscamp in Saas-Fee. \u00abIn meinen Profijahren war ich oft hier im Training\u00bb, berichtet Alberto. \u00abIch habe mich sofort in Saas-Fee verliebt, in die Pisten und das Dorf \u00bb, erinnert er sich und bringt Juan sein geschnittenes Zwiebelwerk an den Herd. Dieser hat eben sechs Eier aufgeschlagen und in einer Sch\u00fcssel verquirlt. \u00abAls ich das erste Mal diese Gipfel gesehen habe, war ich wie vom Blitz getroffen! Ich war auch jahrelang im Sommer und Herbst zum Trainieren hier. Das erste Mal 2007, glaube ich\u00bb, mutmasst Juan und wirft die Zwiebeln mit den Kartoffeln in die Bratpfanne. \u00abWeisst du, die Berge in Spanien sind nicht gerade der Wahnsinn. Als wir hier angekommen sind und die Mischabelkette gesehen haben und den Gletscher, das war schon ziemlich verr\u00fcckt!\u00bb, lacht Alberto, seine Skibrille hat er mittlerweile auf die M\u00fctze gest\u00fclpt. Er \u00f6ffnet sich und Juan ein neues Bier und stellt sich neben ihn. \u00abUnd das Training erst! Weisst du noch, Alberto? Als wir klein waren und die Worldcup-Typen neben uns auf den Pisten trainiert haben? F\u00fcr uns war das unglaublich!\u00bb Juan boxt seinen Freund mit dem Ellbogen leicht in die Rippen. Alberto grinst: \u00abJa, das war der Knaller. Jetzt sind wir das gewohnt, weil sich hier jeden Sommer die weltbesten Skifahrer tummeln. Aber anfangs konnten wir es gar nicht fassen.\u00bb Die beiden schweigen eine Weile, offenbar in Erinnerungen versunken. Hinter ihnen brutzelt die Tortilla, die Suppe k\u00f6chelt. Juan gibt schliesslich die Eier mit einem eleganten Schwung in die Bratpfanne, nimmt die Brotscheiben aus dem Ofen, und beide gehen an den Tisch.<\/p>\n<p><em>\u00abIch wollte unbedingt hier sein, wo Profis aus der ganzen Welt auf dem Gletscher trainieren.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Der Weg zu Ski Zenit in Saas-Fee<br \/>\n\u00abAls uns David Prades angefragt hat, ob wir hier als Skilehrer arbeiten wollen, mussten wir beide nicht lange \u00fcberlegen\u00bb, erz\u00e4hlt Juan weiter. Er tr\u00e4ufelt Oliven\u00f6l auf die ger\u00f6steten Brotscheiben, Alberto reibt sie mit Knoblauchzehen ab. \u00abIch wollte unbedingt hier sein, wo Profis aus der ganzen Welt herkommen und auf dem Gletscher trainieren. Du kannst hier beobachten, wie sie arbeiten, hautnah. Wir haben schon auch Profis in Spanien, aber es ist nie so wie in Saas-Fee. Die Atmosph\u00e4re hier ist einmalig\u00bb, schildert Juan und geht zum Herd. Es ist Zeit, die Tortilla zu wenden. Er nimmt einen grossen Teller, st\u00fcrzt den Pfanneninhalt darauf und l\u00e4sst ihn geschickt zur\u00fcck in die Pfanne gleiten. Alberto gratuliert zum gelungenen Man\u00f6ver und beginnt, die Brotschreiben mit frischen Tomaten einzureiben, Juan setzt sich wieder neben ihn mit seinem Bier.<\/p>\n<p><em>\u00abDie Atmosph\u00e4re in Saas-Fee ist einmalig.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>\u00abSaas-Fee ist ein internationaler Ort, man trifft hier Leute aus der ganzen Welt. Wir hatten zum Beispiel diesen Japaner bei Zenit \u2013 der ist noch nie auf den Skiern gestanden. Er kam hierher und hat uns f\u00fcr zwei Wochen als Lehrer gebucht. Er sprach null Englisch!\u00bb, erz\u00e4hlt Juan und nimmt einen Schluck Bier. Alberto nickt: \u00abWir waren zwei Wochen mit ihm unterwegs, er sprach kein Wort Englisch \u2013 ich habe mich mit H\u00e4nden und F\u00fcssen ausdr\u00fccken m\u00fcssen. Dann waren noch russische Sch\u00fcler dabei, die auch kein Wort verstanden haben. Man kommt schon an seine Grenzen und muss erwachsen werden. Als Mensch und Coach\u00bb, berichtet Alberto weiter und r\u00e4umt die Messer, Sch\u00fcsseln und Schneidebretter weg, Juan t\u00fcrmt die ger\u00f6steten Tomatenbrote auf einen Teller.<\/p>\n<p>\u00abIch liebe es, hier zu leben. Aber mir fehlt das Wetter in Spanien. Und der Strand\u00bb, meint Alberto. Juan ist inzwischen beim Herd und hat die Pfanne vom Feuer genommen. \u00abJa \u2013 das Wetter fehlt mir auch. Und das Essen\u00bb, f\u00fcgt er grinsend an. Alberto deckt den Tisch und stellt die golden-gelb gebratene Tortilla auf den Tisch, Juan zwei Teller mit dampfender Suppe. Beide schneiden sie ein grosses St\u00fcck Tortilla ab, nehmen sich von den ger\u00f6steten Tomatenbroten und tauchen ihre L\u00f6ffel in die Suppe. Heute Abend zumindest vermissen sie ihre Heimat etwas weniger.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Alberto-and-Juan-300ppi-5-retuschiert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2744 size-large\" src=\"https:\/\/www.saas-fee.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Alberto-and-Juan-300ppi-5-retuschiert-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"711\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles begann in Madrid Die beiden Madrilenen sind Skilehrer bei der Skischule Ski Zenit in Saas-Fee. Juan Megias Mu\u00f1oz ist als Lehrer in der vierten Saison im Gletscherdorf. Alberto Levya in der dritten Saison. 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