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Weihnachten – zwischen Nächtstenliebe und Egoismus

Was? Morgen ist Heiligabend? Die Zeit zieht nur so an uns vorbei. Gerade bin ich noch im heruntergefallenen Laub herumgetobt und jetzt soll schon Weihnachten sein? – Na gut, sein wir ehrlich, das mit dem Laub ginge noch immer, denn der grosse Schnee lässt auf sich warten.

Mag sein, dass das mit ein Grund dafür ist, dass auch die Weihnachtsstimmung auf sich warten lässt. Bei mir zumindest. Zwei Versuche auf Weihnachtsmärkten in die richtige Stimmung zu kommen sind kläglich gescheitert – und das noch vor dem Anschlag in Berlin. Trotz glitzernden und funkelnden Weihnachtsbäumen und Marktständen und WHAM!s «Last Christmas» blieb die Ecke, die in meinem Herzen für Weihnachten reserviert ist, bisher unbeleuchtet und still.

Die Geschehnisse der letzten Tage in Berlin, Zürich und der Türkei trugen ebenfalls nicht unbedingt dazu bei, in weihnachtliche Stimmung zu kommen. Menschen töten, Menschen sterben – ausgerechnet zu der Zeit des Jahres, in welcher wir die Familie, die Liebe und das Leben feiern sollen. Was brauchen wir denn eigentlich, um in Weihnachtsstimmung zu kommen, frage ich mich in solchen Momenten und stelle fest, die Bedürfnisse ändern sich. Während ich mich als Kind am meisten auf die Geschenke gefreut habe, lege ich heute viel mehr Wert auf das Zusammensein mit meiner Familie, aber auch mit guten Freunden.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich nicht freue, wenn ich voller Vorfreude glitzerndes Papier von einem Päckchen reissen und mich über ein liebevoll ausgesuchtes Geschenk freuen darf. Noch viel lieber sehe ich zu, wie andere das von mir etwas unförmig aber mit viel Liebe verpackte Geschenk auspacken – ich mag es, Menschen eine Freude zu machen. Dennoch zählt das Zusammengehörigkeitsgefühl für mich heute deutlich mehr. Und damit nähere ich mich auch meiner Familie an, die sich seit bald zehn Jahren vornimmt, an Weihnachten keine Geschenke mehr zu verteilen – natürlich hält sich niemand daran.

Ausser ich in diesem Jahr. Ich bin schlicht nicht dazu gekommen, mich den Weihnachtseinkäufen zu widmen und habe meine Familie entsprechend vorgewarnt. Ob sie sehr enttäuscht waren, kann ich nicht beurteilen. Ich auf jeden Fall hatte das Gefühl, auch ohne Geschenk willkommen zu sein an Heiligabend. Ich sei Geschenk genug, meinte meine Mutter. Und ja, mit mir hat sie das Geschenk! Und nein, auch ich halte mich nicht an meine «Drohung» und werde wohl nicht mit ganz leeren Händen in Basel auftauchen.

Doch am meisten freue ich mich auf Mamis Küche, Papis wunderbar geschmückten Baum, die daran hängenden «Schoggimüüsli» und Mamis «Wiehnachtsguetzli». Ehrlich gesagt verstehe ich noch immer nicht, warum sich meine Mutter das grosse Kochen überhaupt noch antut. Wir alle würden auch mit ihren Weihnachtsplätzchen satt werden

Und so komme ich zum Schluss, wir brauchen nicht Schnee, kein grosses Essen, Geschenke, Plätzchen oder Ohrwürmer die uns langsam aber sicher zum Hals raushängen um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Es ist eine Kombination von allem und jeder entscheidet für sich, was ihm wichtig ist. Und während ich diesen Satz schreibe, stelle ich fest, dass obwohl Weihnachten das Fest der Nächstenliebe ist, man gerade in der Weihnachtszeit auch etwas egoistisch sein darf. Egoistisch in dem Sinne, sich dafür zu entscheiden, was einem selber guttut. Nur dann können wir auch unserem Umfeld guttun.

In diesem Sinne freue ich mich auf eine entspannte Zugfahrt in die Heimat und wünsche allen, egal wo Ihr gerade seid, fröhliche, entspannte Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Eure Moni


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