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Die grösste Schiffskatastrophe der Schweiz

Themenwege sind gefragt. Auch in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee findet man deshalb manche davon. Mein besonderes Interesse gilt dabei solchen, die mir Geschichte, Brauchtum und Kultur näher bringen. Deshalb habe ich die Einladung angenommen, an der Eröffnung des Hugenottenweges von Aarberg nach Lyss teilzunehmen. Dieser Weg ist ein Teilstück eines vom Europarat anerkannten internationalen Kulturweges.

Thema des Weges war also die Flucht der Hugenotten aus Frankreich. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685, verliessen gegen 200 000 von ihnen ihre Heimat, weil sie ihren protestantischen Glauben nicht mehr leben durften. Sie flüchteten in die Eidgenossenschaft. Manche blieben hier. Viele von ihnen gelangten über Bern und Schaffhausen bis nach Holland und Norddeutschland.

Auf dieser Flüchtlingsroute waren am 5. September 1687 zwischen Aarberg und Lyss 138 Vertriebene mit zwei Weidlingen auf der Aare unterwegs. Die Schiffe waren total überfüllt. Die rohen Schlepper nur auf das Geld aus. Und dann geschah das Schreckliche. Die aneinander gebundenen Weidlinge kenterten. 111 Personen, auch Frauen und Kinder kamen ums Leben. Die grösste Schiffskatastrophe der Schweiz. Die Tragödie wird dem schmucken Wanderweg der alten Aare entlang auf verschiedenen Informationstafeln eindrücklich geschildert. Und der Gedenkstein bei der alten Kirche in Lyss, wo einige der Opfer begraben wurden, erinnert nicht bloss an sie.

Unweigerlich wird man auf diesem Weg auch in die Gegenwart zurückgeholt. Ausgebeutete Flüchtlinge, skrupellose Schlepper, überfüllte Boote, unzählige Todesopfer: es geschieht heute noch genauso. Das ist schwer zu ertragen. Allerdings bin ich überrascht, wie sich die Leute damals um die vielen Flüchtlinge auf ihrer Durchreise gekümmert hatten. Wenn ich davon lese, wie eine Stadt mit 5‘000 Einwohnern zeitweise 9‘000 Vertriebene beherbergte. Und dies in einer Zeit, wo höchste Armut herrschte. Da kann ich nur staunen. Vielleicht müssten wir dem Begriff „Nächstenliebe“ in der Schweiz, aber auch in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee,  immer wieder neu nachsinnen. Ihn neu konkret werden lassen.


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