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Der Rucksack mit dem „Anstandsabteil“

Der Rucksack des gut 60-jährigen Wanderers war mir schon lange aufgefallen. Irgendwie schien er überproportional. Zu gross für die einfachen Wanderungen des Stammgastes der Freien Ferienrepublik Saas-Fee. Meistens kommt der Mann aus der Deutschschweiz im September ins Saastal. Er geniesse die bunte Stimmung, die dann herrsche. Aber zurück zu diesem ominösen Rucksack. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, was der gute Mann da alles mitschleppe. Holzwurzeln, Steine oder gar Schmugglerware: der Rucksack ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Bis ich den Mann in diesen Tagen an der Abfallentsorgungsstelle traf, wo er Glasflaschen, Pet und Alubüchsen entsorgte. In aller Ruhe erklärte er mir, dass er auf jeder Wanderung so nebenbei auch den Müll einsammle, den er da antreffe. Das grösste Abteil seines unförmigen Rucksackes sei dafür bestimmt. Weiter erklärte er mir, dass er dies aus Respekt gegenüber der grossartigen Natur gerne mache. Er hege auch keinen Groll gegenüber den Verursachern. Die hätten es nicht anders gelernt. Manchen Zeitgenossen sei Anstand und Respekt sowieso ein Fremdwort. Und der Schöpfung gegenüber erst recht.

Ich bin berührt. Respekt und Anstand nicht bloss den Mitmenschen, sondern auch der Natur gegenüber. Dem gilt es nachzudenken. Wikipedia definiert Respekt übrigens wie folgt: „Eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung einem andern gegenüber.“ Mehr Respekt und Anstand wäre sicher auch in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee nur zum Guten. Sei es im zwischenmenschlichen Umgang oder aber auch im Umgang mit der Natur. Vielleicht könnte sich unser Stammgast dann einen kleineren Rucksack zulegen …

„Frei zu sein bedeutet nicht nur, seine eigenen Fesseln zu lösen, sondern ein Leben zu führen, das auch die Freiheit anderer respektiert und fördert.“

Nelson Mandela

 


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